Bitte merken: Isa Schöier

“EDGAR VOM STERN”: DSE IN ESSLINGEN

Tobias Strobel (vorn) und Nils Hillebrand in “Edgar vom Stern” - Foto: Pieth

Ein kleines Lehrstück über zwei extrem verschiedene Einzelgänger in einer Klasse: Edgar, der Spinner, der es immer mit Weltraum, Sternen und schwarzen Löchern hat, und Lukas, der Rabauke. Dazu erste Anwandlungen von eventuell Liebe oder so, nüchtern gesprochen: von früher Pubertät. Fremdsein, Freundschaft, ein Mini-Krimi um die Klassenkasse, Konkurrenz, Gegnerschaft: Knapp vor der Katastrophe siegt das Herz - oder wie man das nennt. [Leseprobe]
Aus Isa Schöiers spielastischem Klassenzimmerstück für zwei Personen hat Marco Süß ein existentiell und szenisch forschendes für drei auf einer vergleichweise großen Bühne gemacht. In einem wunderlich konstruktiven und sehr wohl spieltauglichen sternförmigen Bühnenbild von Katrin Busching spielen hochpsychologisch und zugleich unterhaltsam Tobias Strobel, Nils Hillebrand und Sabine Christiane Dotzer.
Isa Schöier, für Deutschland eine neue Autorin, arbeitet unkonventionell und zuweilen experimentell, für Kinder, Jugendliche, Erwachsene (eben typisch schwedisch). Man sollte sie sich merken.

“Softgun” ballert im Westen

MATS KJELBYES GEWALT-MONOLOG JETZT AUCH IN KÖLN

Julian Baboi in der Kölner Inszenierung von “Softgun”

Arm, aber reich. Ein Tisch, ein Stuhl, Lichtregie im On-off-Stil. Aber auch ein kongenialer Schauspieler (Julian Baboi) und eine intelligent knappe Regie (Klaus Volker Roth). So hat das D.a.S. Jugendtheater am multukulturellen Spielort Arkadas Theater in Köln Mats Kjelbyes Einpersonendrama “Softgun” über die Biographie eines gerade mal 22jährigen Gewalttäters herausgebracht. Unkompliziert, unentrinnbar. “Ein abgründiger, verstörender und glaubwürdiger Einblick in das Leben eines jugendlichen Gewalttäters” meint die Kölner Theaterzeitung AKT. [Leseprobe]
Derweil läuft die Berliner Inszenierung (Theater an der Parkaue/ Junges Staatstheater Berlin) seit 2009. Die nächste ist dann wieder im Westen, nämlich Ende des Jahres am Landestheater Burghofbühne in Dinslaken. Das mit dem baden-württembergischen Jugendtheater-Preis prämierte Stück war zuvor am Landestheater Tübingen und am Jungen Theater Bonn inszeniert worden.

“Patrick Anderthalb” zieht weiter

MICHAEL DRUKERS “ERNSTE KOMÖDIE” IN ESSEN

Väter und Sohn: “Patrick Anderthalb” in Essen

“Ein schwules Pärchen adoptiert einen jugendlichen Vorbestraften: Mit der ungewöhnlichen Komödie “Patrick Anderthalb” hat die Studio-Bühne einen echten Hit gelandet”. Schreibt die Neue Ruhr-Zeitung über die Essener Station von Michael Drukers heimlichem Dauerbrenner, hier in der Regie von Stephan Rumphorst. [Leseprobe]
In Leipzig ist am Theater der Jungen Welt weiterhin Jürgen Zielinskis Inszenierung des Stücks zu sehen. Und parallel läuft in den großen Städten immer mal wieder der Film “Patrik 1,5″ von Ella Lemhagen (wenn auch nur mit deutschen Untertiteln), der in Schweden ein Riesenerfolg war und auch in Deutschland ausgezeichnet wurde.

Hab Honig im Herzen

CRISTINA GOTTFRIDSSON IN BOCHUM UND OFFENBURG

“Honigherz” in Bochum - Foto: Diana Küster

Am Jungen Schauspielhaus Bochum hat Martina van Boxen “Honigherz” inszeniert, Cristina Gottfridssons Stück für die fast ganz Kleinen. In einer feinen aus Rot-Weiß-Grün gefügten Ästhetik (Michael Habelitz) spielen Verena Schulze und Holger Spengler. In dem poetischen Mikrodrama, das van Boxen gar für Kinder ab 2 anbietet, sprechen hauptsächlich die Körper, die Mimik und ein noch nicht dagewesenes Musikinstrument - denn Wörter hat das Stück nur wenige. Es geht vor allem um zwei Apfelkerne, dann aber auch noch um Kennenlernen, Angst, Egoismus, Konkurrenz, Individualität, Spielen, Lernen, Natur, die Welt und noch ein paar Sachen. [Leseprobe]

“Honigherz” in Offenburg - Foto: Carola Bruhier

Sein Honigherz hat auch das Theater Baalnovo in Offenburg entdeckt. Inszeniert hat Diana Zöller mit Clemance Leh und Felix Grüning, und hier geht´s voll clownesk zur Sache. Statt eines Instruments im Arm hat Clemance dann auch gleich sechzehn, und zwar am Leib. Und weil Baalnovo auch einen Sitz in Straßburg hat, hat Gottfridssons “Honigherz” unversehens auch einen französischen Titel bekommen: “Coeur de miel”.

Schmidt und Meier, Traum und Wolken

ÜBERMÜTIGE DEUTSCHLAND-PREMIERE FÜR MARTINA MONTELIUS

Was seit Jahren kultmäßig am Stockholmer Dramaten läuft, hat jetzt die Landesbühne Esslingen auf ihren Rosenkranz schwedischer Perlen gefädelt: Martina Montelius´ unberechenbares Kinderlyrikslapstick-Opus “Traumschmidt und Wolkenmeier” hat in Marco Süß´ Regie eine übermütige deutsche Premiere erlebt. Die scheinbar handlungsarmen und doch turbulenten Begegnungs-, Kennenlern- und Konkurrenz-Rituale zweier Kinder (Kinder?) mit Schaukeln, Kitzeln, Butterbrot, Sterben samt Auferstehung, Heiraten und Müdewerden sind hier das Geschäft zweier Clowns (Beatrice Boca und Nils Hillebrand), bei dem man sich erst sicher fühlt, wenn es vorbei ist.
“Vielleicht weil diese beiden Clowns zarter und poetischer, einfach viel kindlicher sind als ihre oft etwas polternden Kollegen vom Zirkus, scheint ihre Kreativität grenzenlos. Für Eltern dürfte es in Esslingen kaum eine fröhlichere Gelegenheit geben, ihren Kleinen zu zeigen, wie viel Spaß das Spiel mit der eigenen Fantasie macht - ohne viele Zutaten, ohne Spielzeug, Computer oder Fernseher.” (Eßlinger Zeitung)
[Leseprobe]

“Softgun” in Berlin und Bonn

MATS KJELBYES SCHLÄGER-MONOLOG IN THEATER UND KLASSENZIMMER

Johannes Hendrik Langer spielt Mats Kjelbye in Berlin - Foto: Theater
an der Parkaue/Christian Brachwitz

Nach der heftigen deutschsprachigen Erstaufführung am Landestheater Tübingen in zwei Versionen (Theater und Klassenzimmer) ist jetzt Mats Kjelbyes preisgekrönter Schläger-Monolog “Softgun” am Theater an der Parkaue in Berlin und am Jungen Theater in Bonn herausgekommen [Leseprobe]. In Berlin am Theater lanciert, in Bonn gleich in der Schule. In Berlin “hat Sascha Bunge den Monolog inszeniert, einfühlsam und genau, im Vertrauen auf den dichten, poetischen Text” (Tagesspiegel), in Bonn Stefan Herrmann (mit Julian Tejeda in der Rolle des jungen Ed): “Eds krasse Gewaltschilderungen sind sprachlich sehr deutlich, gehen aber mit ihren kleinen poetischen Nebensätzen (glänzend übersetzt von Dirk H. Fröse) erst wirklich unter die Haut.” (General-Anzeiger Bonn)

BÖSE WELT DRAUSSEN

FÄNGT JA GUT AN (3) - DSE IN HALLE: AUGRELL, “REPUBLIK DER KINDER”


Foto: Kiermeyer/Thalia

Intendantin Annegret Hahn inszenierte am Thalia Theater Halle die deutschsprachige Erstaufführung von Christian Augrells “Republik der Kinder”, sicher eines der eigenwilligsten Kinderstücke die jemals über DHFröse.de ins Deutsche kamen. Eine Gruppe von abgehauenen oder sonstwie verloren gegangenen Kindern hat unter einer Brücke ein eigenes Gemeinwesen gegründet. Keine Erwachsenen, Spielen und Spaß haben, pure Freiheit. Es entsteht eine Art politisches System, ziemlich beunruhigend - das von einem schlafwandelnden Neuankömmling massiv in Frage gestellt wird.
“Annegret Hahns Inszenierung beweist, wie leicht man mit klaren Verabredungen eine theatralische Situation im Niemandsland etablieren kann. Eine Taschenlampe verdunkelt den Scheinwerferhimmel, aneinandergepresste Körper zeigen Kälte und Enge - und kleine Defekte in Sprache oder Bewegung ersetzen glaubhaft jede falsche Kindlichkeit. (…) Wenn man aber die Geschichte mit jenem maximalen Einsatz erzählt, den alle sechs Darsteller an den Tag legen, dann trägt sie nicht nur über anderthalb Stunden - sondern offenbart am 20. Jahrestag der Ausreisegenehmigung für die Prager Botschaftsflüchtlinge durchaus politische Parallelen. Weil es der Inszenierung zudem gelingt, ihre ureigenste Voraussetzung - nämlich das Rollenspiel - zu problematisieren und zu ironisieren, ist sie Theater im besten Sinne - und ein Angebot nicht nur für die jungen Zuschauer. Mitteldeutsche Zeitung - Ab ca. 10/11 Jahren. 3D, 3H. Drei Masken Theaterverlag, München

DIE SACHE MIT DEM KOPFTUCH

NEU: “SCHLITTSCHUH IN DER WÜSTE” VON MATS BERGGREN


Den hatten wir noch nicht. Mats Berggren wurde bekannt als Arbeiter-Schriftsteller, mit Romanen vor dem Hintergrund seiner Arbeit in der Lkw-Fertigung von Scania in seinem Heimatort Södertälje. Einige seiner Jugendromane sind auch auf deutsch erschienen. Inzwischen hat er auch eine Reihe von Theaterstücken geschrieben.
In “Schlittschuh in der Wüste” [Leseprobe] geht es um nicht mehr und nicht weniger als um einen Schlittschuh-Ausflug der Schulklasse, zu dem Fatima, Tochter irakischer Einwanderer, nicht mitdarf: Der Vater weiß aus dem Fernsehen, dass Mädchen, die Schlittschuh laufen, kaum was anhaben. Fatimas schwedische Freundin Sofia erfindet eine List, mit deren Hilfe Fatima vielleicht doch mitkann. Diese List endet lebensgefährlich. Und als ausgerechnet ein Junge Fatima aus dem Eiswasser rettet, geht das Kopftuch ab. Die Quasi-Katastrophe führt zu Begegnungen, die Hoffnung machen.
Das Stück wurde vom Autor mit dem Uraufführungstheater an einer internationalen Schule bei Stockholm entwickelt, die überwiegend moslemische Schüler hat. Mats Berggren greift Vorurteile beider Seiten auf. Auch die Kopftuchfrage nimmt ihm nicht den Humor, und auch die schwedische “Familie” kriegt ihr Fett weg. Dazu nutzt er intensiv die Klassenzimmer-Situation als dramatischen Rahmen. In dem wird gespielt, was das Zeug hält. Es gibt elf Rollen für drei Spieler/innen. Die Klasse erlebt greifbar, was Theater ist und kann.
2D, 1H. Noch ohne Verlag, Rechte aber schon verfügbar.

MOBBING AM SARG

FÄNGT JA GUT AN (2): MATS KJELBYES “AFFENHIRN” IN SPEYER, LUDWIGSHAFEN

Mats Kjelbyes Erstling, das kleine Mobbing-Drama “Affenhirn”, vor Jahren in Wiesbaden deutsch erstaufgeführt, hat Matthias Folz mit dem Kinder- und Jugendtheater Speyer in Koproduktion mit dem Theater im Pfalzbau Ludwigshafen inszeniert. In einer Friedhofskapelle zwingt ein Mädchen zwei Jungen zur Abrechnung mit sich und ihren Taten, am Sarg des in den Tod gemobbten Mitschülers. Aber ganz unschuldig ist das Mädchen vielleicht auch nicht. >br />
“Schon die Anfanggsszene ist grausig. Die Angst, die entsteht, wenn zwei von gestauter Aggressivität angefüllte Jugendliche jemanden ins Visier nehmen, sie überträgt sich bis ins Publikum. Sixten (Bastian Michael), die Kapuze seines Pullovers über den Kopf gezogen, blickt mit starren Augen verächtlich ins Publikum - und niemand möchte diesem Blick begegnen. Per (Kevin Herbertz) wandert unruhig um den Sarg herum, kaut seine Bonbons und sieht aus wie jemand, der gleich auf Befehl zuschlagen wird. Jeder Schüler kennt solche Jungs, wie sie auf dem Schulhof und in der Stadt ihre Plätze besetzen.” Schwetzinger Zeitung - 1D, 2H. Verlag Autorenagentur, Berlin.
Und nicht vergessen von Mats Kjelbye:“Softgun”. Derzeit am LTT Tübingen. Demnächst Theater an der Parkaue, Berlin. Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg. Ab ca. 13 J. - 1H. Verlag Autorenagentur, Berlin.

KOMISCH, LEICHT WIE FEDERN IM WIND

“TRAUMSCHMIDT UND WOLKENMEIER” BEI VERLAG HOFMANN-PAUL

“Traumschmidt und Wolkenmeier” von Martina Montelius wird jetzt vom Theaterverlag Hofmann-Paul, Berlin, vertreten. Die deutschsprachige Erstaufführung steht im Frühling an, an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen.
In “Traumschmidt und Wolkenmeier” gibt es wenig Handlung, obwohl eine ganze Menge passiert auf der Bühne. Eine Standardsituation. Zwei Kinder treffen aufeinander, sie testen, wer wer ist, wer der oder die Beste ist, ob man miteinander spielen kann, vielleicht muss man das erstreiten. Sie spielen (u.a.) sehr ernste Spiele wie Nacht und Heirat und Ehe und Tod und Begräbnis einschließlich Auferstehung. Das ist eine Perlenkette kleiner komischer Spielsituationen, leicht wie Federn im Wind. Es gibt reichlich Wortspiele zwischen kindlichem Humor und erwachsener Ironie. Da stört es überhaupt nicht, dass das Leben eine ernste Sache ist. Im Gegenteil, ohne diesen Ernst würden alle ihre Spiele nicht funktionieren.
Mit Martina Montelius hat eine neue und seltene Stimme im schwedischen Kindertheater ihre Tonlage gefunden. Das Stück ist in Schweden in der Inszenierung des königlichen Dramaten in Stockholm der größte Kindertheater-Erfolg der letzten Jahre. Ab ca. 7 Jahren. 1D, 1H. Theaterverlag Hofmann-Paul, Berlin.
Von Martina auch schon zu lesen: “Im Kaufhaus der Nacht”. Von echten und unechten Menschen, ihren Beziehungen und Sehnsüchten in der schönen Warenwelt. Ab ca. 10/11 Jahren. 3D, 1H.

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