Schmidt und Meier, Traum und Wolken
ÜBERMÜTIGE DEUTSCHLAND-PREMIERE FÜR MARTINA MONTELIUS
Was seit Jahren kultmäßig am Stockholmer Dramaten läuft, hat jetzt die Landesbühne Esslingen auf ihren Rosenkranz schwedischer Perlen gefädelt: Martina Montelius´ unberechenbares Kinderlyrikslapstick-Opus “Traumschmidt und Wolkenmeier” hat in Marco Süß´ Regie eine übermütige deutsche Premiere erlebt. Die scheinbar handlungsarmen und doch turbulenten Begegnungs-, Kennenlern- und Konkurrenz-Rituale zweier Kinder (Kinder?) mit Schaukeln, Kitzeln, Butterbrot, Sterben samt Auferstehung, Heiraten und Müdewerden sind hier das Geschäft zweier Clowns (Beatrice Boca und Nils Hillebrand), bei dem man sich erst sicher fühlt, wenn es vorbei ist.
“Vielleicht weil diese beiden Clowns zarter und poetischer, einfach viel kindlicher sind als ihre oft etwas polternden Kollegen vom Zirkus, scheint ihre Kreativität grenzenlos. Für Eltern dürfte es in Esslingen kaum eine fröhlichere Gelegenheit geben, ihren Kleinen zu zeigen, wie viel Spaß das Spiel mit der eigenen Fantasie macht - ohne viele Zutaten, ohne Spielzeug, Computer oder Fernseher.” (Eßlinger Zeitung)
“Softgun” in Berlin und Bonn
MATS KJELBYES SCHLÄGER-MONOLOG IN THEATER UND KLASSENZIMMER

Johannes Hendrik Langer spielt Mats Kjelbye in Berlin - Foto: Theater
an der Parkaue/Christian Brachwitz
Nach der heftigen deutschsprachigen Erstaufführung am Landestheater Tübingen in zwei Versionen (Theater und Klassenzimmer) ist jetzt Mats Kjelbyes preisgekrönter Schläger-Monolog “Softgun” am Theater an der Parkaue in Berlin und am Jungen Theater in Bonn herausgekommen [Leseprobe]. In Berlin am Theater lanciert, in Bonn gleich in der Schule. In Berlin “hat Sascha Bunge den Monolog inszeniert, einfühlsam und genau, im Vertrauen auf den dichten, poetischen Text” (Tagesspiegel), in Bonn Stefan Herrmann (mit Julian Tejeda in der Rolle des jungen Ed): “Eds krasse Gewaltschilderungen sind sprachlich sehr deutlich, gehen aber mit ihren kleinen poetischen Nebensätzen (glänzend übersetzt von Dirk H. Fröse) erst wirklich unter die Haut.” (General-Anzeiger Bonn)
BÖSE WELT DRAUSSEN
FÄNGT JA GUT AN (3) - DSE IN HALLE: AUGRELL, “REPUBLIK DER KINDER”

Foto: Kiermeyer/Thalia
Intendantin Annegret Hahn inszenierte am Thalia Theater Halle die deutschsprachige Erstaufführung von Christian Augrells “Republik der Kinder”, sicher eines der eigenwilligsten Kinderstücke die jemals über DHFröse.de ins Deutsche kamen. Eine Gruppe von abgehauenen oder sonstwie verloren gegangenen Kindern hat unter einer Brücke ein eigenes Gemeinwesen gegründet. Keine Erwachsenen, Spielen und Spaß haben, pure Freiheit. Es entsteht eine Art politisches System, ziemlich beunruhigend - das von einem schlafwandelnden Neuankömmling massiv in Frage gestellt wird.
“Annegret Hahns Inszenierung beweist, wie leicht man mit klaren Verabredungen eine theatralische Situation im Niemandsland etablieren kann. Eine Taschenlampe verdunkelt den Scheinwerferhimmel, aneinandergepresste Körper zeigen Kälte und Enge - und kleine Defekte in Sprache oder Bewegung ersetzen glaubhaft jede falsche Kindlichkeit. (…) Wenn man aber die Geschichte mit jenem maximalen Einsatz erzählt, den alle sechs Darsteller an den Tag legen, dann trägt sie nicht nur über anderthalb Stunden - sondern offenbart am 20. Jahrestag der Ausreisegenehmigung für die Prager Botschaftsflüchtlinge durchaus politische Parallelen. Weil es der Inszenierung zudem gelingt, ihre ureigenste Voraussetzung - nämlich das Rollenspiel - zu problematisieren und zu ironisieren, ist sie Theater im besten Sinne - und ein Angebot nicht nur für die jungen Zuschauer. Mitteldeutsche Zeitung - Ab ca. 10/11 Jahren. 3D, 3H. Drei Masken Theaterverlag, München
DIE SACHE MIT DEM KOPFTUCH
NEU: “SCHLITTSCHUH IN DER WÜSTE” VON MATS BERGGREN

Den hatten wir noch nicht. Mats Berggren wurde bekannt als Arbeiter-Schriftsteller, mit Romanen vor dem Hintergrund seiner Arbeit in der Lkw-Fertigung von Scania in seinem Heimatort Södertälje. Einige seiner Jugendromane sind auch auf deutsch erschienen. Inzwischen hat er auch eine Reihe von Theaterstücken geschrieben.
In “Schlittschuh in der Wüste” [Leseprobe] geht es um nicht mehr und nicht weniger als um einen Schlittschuh-Ausflug der Schulklasse, zu dem Fatima, Tochter irakischer Einwanderer, nicht mitdarf: Der Vater weiß aus dem Fernsehen, dass Mädchen, die Schlittschuh laufen, kaum was anhaben. Fatimas schwedische Freundin Sofia erfindet eine List, mit deren Hilfe Fatima vielleicht doch mitkann. Diese List endet lebensgefährlich. Und als ausgerechnet ein Junge Fatima aus dem Eiswasser rettet, geht das Kopftuch ab. Die Quasi-Katastrophe führt zu Begegnungen, die Hoffnung machen.
Das Stück wurde vom Autor mit dem Uraufführungstheater an einer internationalen Schule bei Stockholm entwickelt, die überwiegend moslemische Schüler hat. Mats Berggren greift Vorurteile beider Seiten auf. Auch die Kopftuchfrage nimmt ihm nicht den Humor, und auch die schwedische “Familie” kriegt ihr Fett weg. Dazu nutzt er intensiv die Klassenzimmer-Situation als dramatischen Rahmen. In dem wird gespielt, was das Zeug hält. Es gibt elf Rollen für drei Spieler/innen. Die Klasse erlebt greifbar, was Theater ist und kann.
2D, 1H. Noch ohne Verlag, Rechte aber schon verfügbar.
MOBBING AM SARG
FÄNGT JA GUT AN (2): MATS KJELBYES “AFFENHIRN” IN SPEYER, LUDWIGSHAFEN
Mats Kjelbyes Erstling, das kleine Mobbing-Drama “Affenhirn”, vor Jahren in Wiesbaden deutsch erstaufgeführt, hat Matthias Folz mit dem Kinder- und Jugendtheater Speyer in Koproduktion mit dem Theater im Pfalzbau Ludwigshafen inszeniert. In einer Friedhofskapelle zwingt ein Mädchen zwei Jungen zur Abrechnung mit sich und ihren Taten, am Sarg des in den Tod gemobbten Mitschülers. Aber ganz unschuldig ist das Mädchen vielleicht auch nicht. >br />
“Schon die Anfanggsszene ist grausig. Die Angst, die entsteht, wenn zwei von gestauter Aggressivität angefüllte Jugendliche jemanden ins Visier nehmen, sie überträgt sich bis ins Publikum. Sixten (Bastian Michael), die Kapuze seines Pullovers über den Kopf gezogen, blickt mit starren Augen verächtlich ins Publikum - und niemand möchte diesem Blick begegnen. Per (Kevin Herbertz) wandert unruhig um den Sarg herum, kaut seine Bonbons und sieht aus wie jemand, der gleich auf Befehl zuschlagen wird. Jeder Schüler kennt solche Jungs, wie sie auf dem Schulhof und in der Stadt ihre Plätze besetzen.” Schwetzinger Zeitung - 1D, 2H. Verlag Autorenagentur, Berlin.
Und nicht vergessen von Mats Kjelbye:“Softgun”. Derzeit am LTT Tübingen. Demnächst Theater an der Parkaue, Berlin. Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg. Ab ca. 13 J. - 1H. Verlag Autorenagentur, Berlin.
KOMISCH, LEICHT WIE FEDERN IM WIND
“TRAUMSCHMIDT UND WOLKENMEIER” BEI VERLAG HOFMANN-PAUL
“Traumschmidt und Wolkenmeier” von Martina Montelius wird jetzt vom Theaterverlag Hofmann-Paul, Berlin, vertreten. Die deutschsprachige Erstaufführung steht im Frühling an, an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen.
In “Traumschmidt und Wolkenmeier” gibt es wenig Handlung, obwohl eine ganze Menge passiert auf der Bühne. Eine Standardsituation. Zwei Kinder treffen aufeinander, sie testen, wer wer ist, wer der oder die Beste ist, ob man miteinander spielen kann, vielleicht muss man das erstreiten. Sie spielen (u.a.) sehr ernste Spiele wie Nacht und Heirat und Ehe und Tod und Begräbnis einschließlich Auferstehung. Das ist eine Perlenkette kleiner komischer Spielsituationen, leicht wie Federn im Wind. Es gibt reichlich Wortspiele zwischen kindlichem Humor und erwachsener Ironie. Da stört es überhaupt nicht, dass das Leben eine ernste Sache ist. Im Gegenteil, ohne diesen Ernst würden alle ihre Spiele nicht funktionieren.
Mit Martina Montelius hat eine neue und seltene Stimme im schwedischen Kindertheater ihre Tonlage gefunden. Das Stück ist in Schweden in der Inszenierung des königlichen Dramaten in Stockholm der größte Kindertheater-Erfolg der letzten Jahre. Ab ca. 7 Jahren. 1D, 1H. Theaterverlag Hofmann-Paul, Berlin.
Von Martina auch schon zu lesen: “Im Kaufhaus der Nacht”. Von echten und unechten Menschen, ihren Beziehungen und Sehnsüchten in der schönen Warenwelt. Ab ca. 10/11 Jahren. 3D, 1H.
“PATRICK ANDERTHALB” FÜR ALLE
FÄNGT JA GUT AN (1): MICHAEL DRUKER JETZT AUCH IN LEIPZIG
Michael Drukers “Patrick Anderthalb” am Theater der jungen Welt in Leipzig (nach dem Thalia in Halle): Ein schwules Paar adoptiert einen kleinen Jungen, 1,5 Jahre alt, und kriegt - Komma-Fehler beim Jugendamt, nichts weiter - einen wegen Totschlags verurteilten Jugendlichen von 15 Jahren geschickt. Am Gründonnerstag, frohe Ostern. Jürgen Zielinski himself hat die Außenseiter-Komödie inszeniert, deftig, mit aufgekrempelten Ärmeln sozusagen.
“Innerhalb des Sitcom-Rahmens ist die Inszenierung konsequent, die Lacher der Zuschauer im vollgestopften Saal müssen nicht vom Band eingespielt werden. Dem Theater der Jungen Welt gelingt es erneut, die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenentheater aufzulösen und beide Zuschauergruppen zu unterhalten.” (Leipziger Volkszeitung ) - 3H. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main.
“EIN THEATRALISCHER URKNALL”
CHRISTOPH SCHROTHS ERSTES KINDERSTÜCK: “DAS KLEINE WILDE TIER”
“Mäße man die Qualität einer Regiearbeit an Tränen-Sturzbächen und anderen aufgewühlten Zuschauerreaktionen, dürfte sich der neue Coup der Neuen Bühne zweifelsfrei in die erste Reihe echter Inszenierungslegenden eingliedern. Nach 45 Arbeitsjahren in der hehren Kunst macht Schroth, fast 72, sein erstes Kinderstück- und er macht es atemverschlagend gut. Es geht ums Sterben und um den Tod, um das Traurigsein und um Liebe.Was so schlicht klingt, ist eine Art theatralischer Urknall geworden. Die Kinder folgen jede Sekunde gebannt – die Erwachsenen nicht minder.
Eine Lehrstunde in Sachen Theater. Ein Raum, 2 Türen, gute Spieler, Licht. Mehr nicht. Das ist Theater – das ist Christoph Schroth.”
(Der Radiosender Antenne Brandenburg über Med Reventbergs Kinderklassiker “Das kleine wilde Tier” an der Neuen Bühne Senftenberg. Es ist die 47. deutschsprachige Inszenierung des Stücks.)
Was soll ich dazu noch sagen? Doch nicht erklären, wer Christoph Schroth ist.
String-Oma
GOTTFRIDSSON ODER: WAS DA NOCH KOMMT
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Nachdem der DSE von Cristina Gottfridssons vorschulischem Kommunikationsspiel “Honigherz” in Kassel jetzt auch die österreichische Erstaufführung am Theater des Kindes in Linz gefolgt ist; während Gottfridssons unernste frühpubertäre Verhaltensstudie “Wer mit wem oder Gefährliche Liebschaften” in Esslingen läuft; nachdem der Verlag der Autoren das Jugendstück “Einen Herzschlag weit” mit den drei schwangeren, halbschwangeren oder auch gar nicht schwangeren Mädels eben in den Katalog gestellt hat, ja nach alledem ist die
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verschiedentlich schon angesagte Beinahe-Komödie “String-Oma” in Arbeitsfassung fertig geworden. Über ein achtjähriges Mädchen und seine ehemals ganz flippige Großmutter in der Demenz-Wohngruppe. Wer “String-Oma” schon immer lesen wollte oder es jetzt will, kann ja schon mal reingucken. (2D, 1H. Ab ca. 7 Jahren) (>> Text bestellen) |
Weltraum und Klassenzimmer
NEU BEI VERLAG AUTORENAGENTUR: “EDGAR VOM STERN”
Die Schwedin Isa Schöier stellt sich mit einem Stück mobbingpoetischen Klassenzimmertheaters vor. “Edgar vom Stern” erzählt die Geschichte zweier Außenseiter, eines Freaks mit astronomischen Ambitionen und eines notorischen Störenfrieds. Eine Freundschaft, die fast eine Feindschaft wird, mit Geld und Mädchen auch noch, und einem eiskalten Showdown auf dem Schuldach. Und schönen Spielmöglichkeiten. Jetzt neu beim Verlag Autorenagentur, Berlin. DSE nächsten Herbst an der Landesbühne Esslingen. (2H. Ab ca. 10 Jahren)
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